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Umami, der fünfte Geschmack und warum er alles verändert

Aromakompass RedaktionJuni 20262 Min. Lesezeit
Herzhafte umami-reiche Zutaten in einer Schüssel

Die meisten Menschen kennen die vier klassischen Grundgeschmacksrichtungen süss, sauer, salzig und bitter. Daneben gibt es einen fünften, der lange weniger Beachtung fand und doch in unzähligen Gerichten steckt: Umami. Er beschreibt den herzhaften, runden und befriedigenden Grundgeschmack, der einem Essen Tiefe und Fülle gibt. Wer einmal versteht, was Umami ausmacht, erkennt ihn überall wieder und kann ihn gezielt einsetzen, um Speisen schmackhafter und sättigender zu machen.

Die Entdeckung eines Geschmacks

Der japanische Chemiker Kikunae Ikeda identifizierte 1908 die Glutaminsäure, auch Glutamat genannt, als Träger dieses Geschmacks. Ausgangspunkt seiner Untersuchung war eine Bouillon aus Kombu-Algen, die einen charakteristischen herzhaften Geschmack hatte, der sich keiner der bekannten Kategorien zuordnen liess. Ikeda gab dem neuen Geschmack den Namen Umami, was sich aus dem Japanischen frei als Wohlgeschmack übersetzen lässt. Damit war wissenschaftlich belegt, was Köche längst intuitiv nutzten.

Diese Entdeckung war wegweisend, weil sie eine ganze Geschmacksdimension erschloss, die zuvor schwer zu fassen war. Heute ist Umami als eigenständiger Grundgeschmack anerkannt und ein zentraler Begriff, wenn es darum geht, herzhafte Gerichte zu verstehen und gezielt zu verbessern.

Wo Umami zu Hause ist

Umami steckt in vielen Zutaten, die wir als besonders herzhaft empfinden. Zu den reichsten Quellen gehören Parmesan, reife Tomaten, Sojasauce, Pilze und getrocknete Meeresfrüchte. Diese Zutaten haben gemeinsam, dass sie viel Glutamat enthalten. Es ist kein Zufall, dass viele dieser Lebensmittel die Basis für tief schmeckende Gerichte aus aller Welt bilden, von der italienischen Küche bis zur japanischen.

Auffällig ist, dass viele dieser Zutaten gereift oder getrocknet sind. Bei diesen Prozessen wird gebundenes Glutamat freigesetzt, wodurch der Umami-Geschmack noch deutlicher hervortritt. Das erklärt, warum ein lange gereifter Käse so viel intensiver schmeckt als ein junger.

Die Synergie, die alles verändert

Der vielleicht wichtigste Punkt ist die Synergie zwischen verschiedenen Umami-Komponenten. Wird Glutamat mit Inosinat kombiniert, einer Verbindung, die vor allem in Fleisch und Fisch vorkommt, verstärkt sich die wahrgenommene Umami-Intensität stark. Die beiden zusammen wirken weit kräftiger als jede für sich allein. Dieser Effekt ist kein Detail am Rande, sondern die Grundlage vieler klassischer Bouillons und Saucen.

Genau dieses Prinzip steckt hinter der japanischen Dashi, einer Bouillon, die Kombu-Algen mit getrocknetem Fisch kombiniert, ebenso wie hinter einem italienischen Ragù, in dem Tomaten und Fleisch zusammenkommen. In beiden Fällen sorgt die Kombination zweier Umami-Quellen für eine Tiefe, die mit nur einer Quelle nicht erreichbar wäre. Auch getrocknete Meeresfrüchte wie getrocknete Crevetten spielen in vielen Küchen genau diese Rolle.

Umami bewusst nutzen

Wer dieses Prinzip kennt, kann es in der eigenen Küche gezielt einsetzen. Eine Prise Parmesan, ein Schuss Sojasauce oder ein paar getrocknete Pilze können ein Gericht spürbar runder machen. Besonders wirkungsvoll ist es, zwei Umami-Quellen zu kombinieren und so die Synergie auszunutzen. Welche Zutaten sich dafür anbieten, lässt sich gut über die Suche erkunden. Wer tiefer einsteigen möchte, findet im Artikel zur Fermentation und ihren Aromen weitere Zusammenhänge, denn auch viele fermentierte Lebensmittel sind reich an Umami. So wird aus einem abstrakten Begriff ein praktisches Werkzeug, das Gerichte hörbar herzhafter macht.

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